„In München ist das schönste Konsulat der Welt“, entschied der seit August 2009 in München amtierende US-Generalkonsul Conrad Tribble gleich zu Beginn des Abends. Er war am 25. Mai 2011 in die Junge Akademie gekommen, um sich mit jungen Leuten - Schülerinnen und Schüler, Studierende und Berufstätige waren gleichermaßen vertreten - zu treffen.
Das Gespräch verlief in perfektem Deutsch - Tribble hatte bereits als Schüler einige Zeit in Niedersachsen verbracht - und war sehr munter. Dazu trug die sympathische, offene Art des Generalkonsuls ebenso bei wie die vielen wachen Fragen der Anwesenden.
Diese interessierten sich z. B. für den Arbeitsalltag eines Generalkonsuls. Der sei unglaublich vielfältig und von Begegnungen und Kontakten geprägt, so Tribble. Als einen seiner Schwerpunkte hob er die Jugendarbeit hervor, die wichtig sei, um auch in der jungen deutschen Generation ein enges Band zu den USA zu knüpfen.
Denn Deutschland sei nach wie vor einer der wichtigsten Partnerstaaten der USA. Zwar hätten sich die Hauptthemen der Politik längst verlagert. Die nach dem Zweiten Weltkrieg brennende Frage der Zukunft Europas wurde von anderen Fragen abgelöst: Klimawandel, Zukunft Nordafrikas und des Nahen Ostens und viele mehr. Doch die Bearbeitung dieser Themen geht nicht im Alleingang: „Wir brauchen Partner - die sind in Europa.“
Dabei gelte jedoch gerade im Hinblick auf den Nahen Osten, dass „der Einfluss von außen nicht überschätzt“ werden dürfe. Es komme auf kluge und bescheidene Unterstützung an, die in jedem Land anders aussehen müsse. Ein nicht ganz ungefährliches, aber spannendes Jahr verbrachte Conrad Tribble in Ostbagdad als Leiter eines regionalen Wiederaufbauteams. Zu seinen schönsten Erlebnissen in dieser Zeit zählt seine Anwesenheit in einem zum Wahllokal umgewidmeten Schulgebäude. Das Bild von den Schlange stehenden Irakern und dem alten Mann, der stolz seinen Stimmzettel in die Urne wirft und seinen Daumen in Stempelfarbe drückt, hat der Generalkonsul so eindrücklich erzählt, dass das Geschehen den Zuhörern plastisch vor Augen stand.
Auch der Wirbel um die Plattform „Wikileaks“ wurde angesprochen, die der Generalkonsul nicht für den „großen Hoffnungsträger der Transparenz“ hält. Denn: „Echten Fortschritt in wichtigen Themen gibt es nur in diplomatischen Gesprächen, die vertraulich bleiben. Diplomatie ist kein FKK-Bereich.“
Neben der Politik fanden auch private Fragen Raum. So erzählte Tribble von seiner aus lauter Diplomaten bestehenden Rockband, die sich inzwischen leider nur noch einmal im Jahr treffen kann, weil jedes Mitglied an einem anderen Ort tätig ist. Auch für die Familie - Conrad Tribble ist verheiratet und hat vier Kinder zwischen fünf und zwanzig Jahren - stellt das diplomatische „Wanderleben“ so manche Herausforderung dar. Dass er den Posten des Generalkonsuls in München turnusgemäß auch einmal wieder räumen muss, daran denkt er gar nicht gerne - dazu schätzt er den Standort viel zu sehr.
Auf die abschließende Frage, was er gerne von Deutschland in die USA bringen würde und umgekehrt, wünscht sich Tribble für Deutschland etwas Optimismus und „customer service“ („Es ist aber schon viel besser geworden!“), für die USA hingegen ein Stück vom deutschen Ausbildungssystem und - hier sprach der sportbegeisterte Bundesligafan aus ihm, der glaubhaft versicherte, ihm stünde der FC Bayern München am nächsten - „mehr Begeisterung für Fußball“.
Bei Muffins und Butterbrezn klang der amerikanisch-bayerische Abend aus.
Carolin Neuber