Anstößiges aus Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche Anstößiges aus Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche

Pinnwand

18.11.2011
schöne sache
von micha
09.11.2011
Ein dickes "WEITER SO" an die junge Akademie. Viele Grüße, Jo
von Johannes
09.06.2011
Toller Artikel über unser Gespräch in der Jungen Akademie. Das hat mir wirklich Spass gemacht!
Kommt gleich auf unsere Facebook Seite (www.facebook.com/
usconsulatemunich)
von Conrad Tribble
03.05.2011
Liebe Besucher,
hier könnt ihr eine Nachricht, einen Kommentar oder einen Gruß hinterlassen.
Viele Grüße aus der Jungen Akademie!
von Carolin Neuber

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09.06.2011: Frühlings Erwachen

„Leben, Liebe, Sexualität“ war das Thema, zu dem am 9. Juni 2011 Studierende und Dozenten der „Theaterakademie August Everding“ in der Jungen Akademie zu Gast waren. Anlass war die Einstudierung eines Musicals nach dem Theaterstück „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind aus dem Jahr 1891. Dieses Stück thematisiert unter anderem, wie gesellschaftlich mit der erwachenden sexuellen Neugier von Schülerinnen und Schülern umgegangen wurde. Das damals herrschende Tabu führt dazu, dass die Jugendlichen mit ihren Fragen und Zweifeln von den Erwachsenen allein gelassen werden. Die Folgen sind gravierend, ja am Ende tödlich.
Man könnte nun meinen, diese Problematik wäre heute, nach der „sexuellen Befreiung“ Mitte der 60er Jahre, irrelevant geworden, weil Sexualität in der Gesellschaft allgegenwärtig und Aufklärung daher nicht mehr nötig sei. Dem widersprach aber nicht nur Daniela Weber, Studierende der Theologie und der Sozialen Arbeit in Benediktbeuren. Sie arbeitet derzeit im Münchner Projekt „Amanda“ mit, das u.a. Aufklärungsarbeit für junge Mädchen betreibt. Von ihren Erfahrungen an Schulen und in Jugendgruppen konnte sie praxisnah und anschaulich Wissenswertes für die Studierenden der Theaterakademie erzählen. Schockierend waren zweierlei Dinge. Einerseits das Unwissen vieler Mädchen (und auch Jungen) hinsichtlich Sexualität, Verhütung und des eigenen Körpers. Manche Zwölfjährige weiß noch nicht über Menstruation Bescheid, wenn sie ihre erste Periode bekommen. Die Studentin berichtete: „Die Jugendlichen stehen wegen ihrer Unsicherheit unter großem Druck.“ Andererseits ist der Gruppenzwang riesig, unter dem auf dem Schulhof intime Details und Pornovideos auf dem Handy ausgetauscht werden müssen. „Obwohl viele Mädchen das eklig finden“, wusste Daniela Weber aus ihren vielen Gesprächen mit jungen Mädchen.
Trotzdem ist nicht jedes üble Gerücht über die heutige Jugend wahr. Befragungen zeigen, dass das tatsächliche Alter beim „Ersten Mal“ nicht so niedrig liegt, wie häufig angenommen. Viele Jungs behaupten einfach nur, „es“ schon getan zu haben, um bei ihren Freunden nicht schlecht dazustehen. Davon konnte Prof. Dr. Stephan Leimgruber, Professor für Religionspädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München berichten, der über Sexualpädagogik forscht und kürzlich ein Buch dazu veröffentlichte. „Sexualität ist nicht bloß ein Teil des Lebens, sondern eine gestaltende Kraft der Person“, so Leimgruber.
Die Ausführungen der beiden Referenten öffneten den Studierenden der Theaterakademie einen Raum, eigene Erfahrungen auszutauschen: Wie haben sie selbst damals Aufklärung erlebt, welche Erfahrungen haben sie am Anfang mit Sexualität gemacht? Dabei kamen auch Dinge zur Sprache, die im Rückblick lächerlich erscheinen mögen, in der damals empfundenen Unsicherheit aber gravierend waren. So erzählte eine Studierende: „Ich habe die ‚Bravo’ immer nur bei meiner Freundin gelesen, weil es mir peinlich gewesen wäre, wenn meine Mutter das Heft bei mir gefunden hätte.“
Dieser Zwiespalt zwischen der starken medialen Verbreitung der Sexualität und der eigenen Scham im Umgang mit dem Thema wurde von vielen so wahrgenommen. Die Präsenz der Sexualität in den Medien sei zwar hoch, erläuterte Leimgruber, sie enthalte aber wenig Persönliches. Denn darüber zu reden, sei schwierig: „Man kommt immer auch selbst drin vor.“ Verdrängen hilft aber nicht weiter, wie das Beispiel aus dem Theaterstück auch für heute noch zeigt - es kommt darauf an, das Dreieck von Liebe, Leben, Sexualität menschenfreundlich zu gestalten.
Carolin Neuber

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