Finanzkrise, Hintergründe, Konsequenzen, sozialethische Anfragen
Die Finanzkrise erschreckt weiterhin und alle suchen Antworten auf die
Frage, wie das geschehen konnte. Auch und vielleicht gerade junge
Menschen fühlen sich bedroht und haben Angst um ihre Zukunft. Die Junge
Akademie versuchte Antworten zu geben und lud am 27. Mai 2009 einen
Banker und einen Sozialethiker ein, um die Finanzkrise aus verschiedenen
Blickwinkeln zu analysieren. Eine Gruppe sehr interessierter junger
Teilnehmer kam zu der Tagung „GeldWert. Finanzkrise: Hintergründe,
Konsequenzen, sozialethische Anfragen“ in die Akademie. Zwei kurze
Vorträge und eine ausführliche Diskussion erhellten das Thema. Und das
Überraschende: Banker und Sozialethiker stimmten in vielen Punkten
überein.
Prof. Dr. Willibald Folz, Vorsitzender des
Aufsichtsrats der Münchner Hypothekenbank eG, legte zum Einen die
volkswirtschaftlichen und finanztechnischen Ursachen der „beispiellosen
Finanzkrise“ dar: unter anderem Überkapazitäten vieler Industriezweige
vor allem in den USA, billige Immobilienkredite für jedermann, die zu
einer Immobilienblase führten.
Doch Professor Folz, der der Katholischen Akademie als Vorsitzender des
Vereins der Freunde und Gönner sehr verbunden ist, beließ es nicht bei
ökonomischen und betriebswirtschaftlichen Betrachtungen. „Menschliches
Fehlverhalten, Gier, war ein wichtiger Grund für die Krise“, so Folz.
Auch eine Verschuldungsmentalität vieler Bevölkerungskreise – vor allem
in den USA - und „blindes Vertrauen“ der Experten auf mathematische
Modelle stünden am Anfang dieses Desasters, erklärte Professor Folz.
Seine Forderung an die Politik: Strikte Regeln für die Banken.
Dieser Aussage schloss sich der Augsburger Sozialethiker Dr.
Johannes J. Frühbauer bei seinem Besuch bei der Jungen Akademie
in vollem Umfang an. Darüber hinaus müssten die „wirtschaftsethische
Kompetenz“ und das „gesellschaftliches Verantwortungsdenken“ gestärkt
werden, forderte Dr. Frühbauer. Gerade die Kirchen könnten auf diesem
Gebiet kompetente Aussagen treffen.
Mit Bernhard Emunds vom Nell-Breuning-Institut in Frankfurt etwa habe
die deutsche Sozialethik einen ausgewiesenen Experten in Fragen der
internationalen Finanzordnung in ihren Reihen. Nicht nur Emunds mit
seiner Fachkompetenz, sondern auch grundlegende Texte von katholischer
wie evangelischer Seite würden seit Jahren auf die problematische
Entwicklung des internationalen Finanzmarktes hinweisen.
Sowohl das „Kompendium der Katholischen Soziallehre“ als auch die
EKD-Denkschrift „Unternehmerisches Handeln aus evangelischer
Perspektive“ weisen in ihren kompetenten Analysen und präzisen
Stellungnahmen ausdrücklich auf die Notwendigkeit einer internationalen
Rahmenordnung hin.
Neben diesen institutionellen Vorkehrungen sei es mehr denn je
erforderlich, wirtschaftsethische Kompetenz und somit gesellschaftliches
Verantwortungsdenken in sämtliche Curricula wirtschafts- und
finanzwissenschaftlicher Studiengänge einzubauen. Zudem ist in einer
offenen Weise ein Diskurs darüber zu führen, welche Korrekturen das
deutsche, europäische und globale Wirtschaftssystem benötigten, um in
einer nachhaltigen Weise zukunftsfähig zu sein und das Wohlergehen der
Menschen zu sichern und zu fördern. Dies habe insbesondere Friedhelm
Hengsbach in einer ganzen Reihe an durchaus provokanten Vorschlägen
aufgezeigt.