Anstößiges aus Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche Anstößiges aus Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche

Pinnwand

18.11.2011
schöne sache
von micha
09.11.2011
Ein dickes "WEITER SO" an die junge Akademie. Viele Grüße, Jo
von Johannes
09.06.2011
Toller Artikel über unser Gespräch in der Jungen Akademie. Das hat mir wirklich Spass gemacht!
Kommt gleich auf unsere Facebook Seite (www.facebook.com/
usconsulatemunich)
von Conrad Tribble
03.05.2011
Liebe Besucher,
hier könnt ihr eine Nachricht, einen Kommentar oder einen Gruß hinterlassen.
Viele Grüße aus der Jungen Akademie!
von Carolin Neuber

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21.11.2011: "Inside Vatican" - Begegnung mit Walter Kardinal Kasper

Kardinal Walter Kasper
Gut gelaunt erzählte Kardinal Kasper den Teilnehmern der Jungen Akademie von seiner Arbeit im Vatikan

Unter dem Titel „Inside Vatican“ setzte sich Kardinal Walter Kasper am Nachmittag des 21. Novembers 2011 mit mehr als 40 jungen Teilnehmern – ein ganzes Theologieseminar der Uni München war gekommen – in der Bibliothek zusammen, erzählte und diskutierte. Carolin Neuber von der Jungen Akademie moderierte das Gespräch und stellte, wie auch die anwesenden jungen Menschen, viele Fragen. Hier folgen einige Auszüge aus dem Gespräch; ein vollständiger Bericht ist in "zur debatte" 8/2011 nachzulesen.

I. Persönliche Erinnerungen

... Natürlich kam man in der Nachmittagsrunde auch auf das Zweite Vatikanische Konzil zu sprechen, das in die Zeit seiner Assistententätigkeit an der Uni fiel. Wie habe er die Zeit des Konzils wahrgenommen, wie hat es ihn geprägt? „Sehr! Ich erinnere mich noch an den Abend, als Johannes XXIII die Absicht kundgegeben hat, ein Konzil einzuberufen. Das war überraschend, wir waren einfach geplättet. Wir haben es am Radio gehört. Überraschung pur! Das war eine enthusiastische Zeit, da sind viele Ideen diskutiert worden, viele Hoffnungen aufgekommen. Das Konzil war der wegweisende Abschnitt in meinem Leben und ich betrachte das Konzil bis heute als die Magna Charta für die Kirche im 21. Jahrhundert“, schilderte Kardinal Kasper seine damaligen Eindrücke. „Das war eine begeisterte Zeit, wie man sich das heute kaum mehr vorstellen kann. Die Zeitungen waren mit Katholika voll, eine Zeit des Aufbruchs und der Hoffnungen – eine Stimmung, die von der heutigen sehr verschieden ist.“...

II. "Inside Vatican"

... Versteht er sich eher als Kirchenmanager oder Kirchenpolitiker?, so eine weitere Frage an Kardinal Kasper. Die Antwort kommt entschieden: „Weder noch! Ich habe mich gefühlt als Pfarrer auf weltkirchlicher Ebene, auch getreu dem Wort von Yves Congar: Die weite Welt – meine Pfarrei.“ Kasper habe seine Arbeit im Wesentlichen als pastoralen Dienst gesehen, auch die vielen Gespräche mit Bischöfen und Diplomaten, die er geführt habe. Denn: Ökumene könne man nicht am Schreibtisch machen. Man müsse reisen, Begegnungen schaffen, Freundschaften aufbauen...

Carolin Neuber und Kardinal Walter Kasper im Gespräch vor jungen Zuhörern
"Was ist die Identität der Kirche?" - Diese Frage ist für Kardinal Kasper der Schlüssel zu den heutigen innerkirchlichen Problemen

III. Im Einsatz für die Ökumene

Dass die persönliche ökumenische Begegnung dem Kardinal, der 2007 mit dem Ökumenischen Preis der Akademie ausgezeichnet wurde, wichtig war, spürte man noch immer, auch wenn sie manchmal etwas gekostet hat: „Das schlimmste Opfer war in Moskau: Da musste ich Wodka trinken, denn das kann man nicht ablehnen.“
Aber auch das theologische Gespräch sei für die Förderung der Ökumene natürlich unentbehrlich: Denn die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kirchen seien ja wesentlich theologische Unterschiede, man müsse anderen verständlich machen, was man glaube und eine gemeinsame Basis suchen, so der Kardinal. Das habe nichts mit „Glauben verhandeln“ zu tun, man könne über den Glauben nicht verhandeln. „Man gibt Zeugnis von seinem Glauben und der andere auch; dann sucht man: wo kommt man zusammen, aber man kann auch am Ende sagen ‚we disagree‘, und es waren doch schöne brüderliche Gespräche.“ ...

IV. Blick auf die Kirche

Ein großes Anliegen und seine Antwort auf viele der derzeitigen Probleme ist Walter Kasper die erneuerte und vertiefte Frage: Was ist die Identität der Kirche – von ihrem Selbstverständnis her, von der Heiligen Schrift, den Kirchenvätern, den großen Konzilien her? „Das muss wieder klarer werden, dann relativieren sich manche Streitigkeiten.“ Diesem Anliegen widmete der Kardinal seinen an das Gespräch mit den jungen Leuten unmittelbar anschließenden Vortrag im großen Saal der Akademie. Den Studierenden hingegen gab er eine Hausaufgabe mit: „Die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils neu und gründlich studieren! Dann: Die Bibel und die Theologie der Kirchenväter, auf denen die Konzilsaussagen beruhen. Die Wurzel, aus denen das Konzil gewachsen ist, nicht vergessen. Die Quellen wieder zum Leben bringen. Dann kommt man darauf: Was ist Kirche überhaupt? Dann beantworten sich viele heutige Fragen und Probleme von selbst.“

Carolin Neuber

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