Anstößiges aus Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche Anstößiges aus Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche

Pinnwand

18.11.2011
schöne sache
von micha
09.11.2011
Ein dickes "WEITER SO" an die junge Akademie. Viele Grüße, Jo
von Johannes
09.06.2011
Toller Artikel über unser Gespräch in der Jungen Akademie. Das hat mir wirklich Spass gemacht!
Kommt gleich auf unsere Facebook Seite (www.facebook.com/
usconsulatemunich)
von Conrad Tribble
03.05.2011
Liebe Besucher,
hier könnt ihr eine Nachricht, einen Kommentar oder einen Gruß hinterlassen.
Viele Grüße aus der Jungen Akademie!
von Carolin Neuber

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12.06.2009: Paradies – Neue Blicke auf einen alten Traum

„Im Himmel ist es anders, als wir denken.“

- so lautete der Titel einer Ausstellung moderner Kunst, die im Diözesanmuseum auf dem Domberg in Freising zu sehen war. Die Junge Akademie besuchte die Ausstellung zusammen mit der Hochschulgemeinde Freising am 25. Juni. Eine Gruppe junger Erwachsener, vor allem Studierender, fand sich an diesem kühlen Sommerabend im Museum ein, um einen Blick auf den uralten Menschheitstraum vom Paradies zu werfen.

Zum Auftakt gab Prof. Dr. Johann Evangelist Hafner, Professor für Religionswissenschaft mit Schwerpunkt Christentum an der Universität Potsdam, eine religionsgeschichtliche und theologische Einführung unter dem Titel „Von 8-12 Frohlocken, von 12-20 Hosianna Singen. Das christliche Paradies zwischen Wohlfühlwelt und Gericht“. Er begann mit einer Warnung: „Im Himmel ist es anders, als wir uns das vielleicht denken.“ Sowohl das anfängliche Paradies als auch der endzeitliche Himmel wurden biblisch und systematisch-theologisch vor den Zuhörern ausgefaltet, wobei die kunstgeschichtliche Veranschaulichung nicht zu kurz kam.

Schon in der biblischen Anschauung zwischen Paradieserzählung und Offenbarung des Johannes ist eine Entwicklung der irdischen Geschichte vom bukolischen Naturzustand des Gartens Eden zu einem neuen, zivilisatorischen Idealzustand, der „Neuen Stadt“ zu erkennen. Außerdem war von Adam und Eva, der Faulheit als erster Ursünde – „Da steckt Lebenserfahrung dahinter“, kommentierte einer der Zuhörer – , und den vier Paradiesströmen ebenso die Rede wie von Fegefeuer, Tausendjährigem Reich und Auftreten des Antichristen als gefälligem, den Weltfrieden versprechenden Weltfürsten. Alle angesprochenen Aspekte zusammengefasst fand Hafner in Fra Angelicos Darstellung des Jüngsten Gerichts.

Im zweiten Teil des Abends begleitete der Kurator der Ausstellung, Dr. Alexander Heisig, Fachreferent im Kunstreferat der Erzdiözese München und Freising, die Gruppe durch die Ausstellung und erschloss den Zuhörerinnen und Zuhörern einen Zugang zu den modernen, individuellen, freien Werken. Da fast jeder der siebzehn Künstlerinnen und Künstler einen anderen Aspekt des Themas zum Ausgangspunkt genommen hatte, war eine große Vielfalt an Deutungen entstanden. Allen gemeinsam war der „neue Blick“, den der Untertitel der Ausstellung versprach; denn „die uralte Hoffnung hat Bestand, doch der Blick darauf wird immer neu, weil wir nur aus unserer Wirklichkeit darauf blicken können“, so Heisig.

Von einem Teilnehmer besonders hervorgehoben wurde die Gegenüberstellung zweier Objekte, die zeigen, in welcher Spannweite sich Paradiesvorstellungen von Menschen aus Industrienationen bzw. Dritte-Welt-Ländern bewegen können: Auf der einen Seite eine konsumkritische Arbeit von Tim Bennet, die den Betrachter fragen lässt, was „wir“ denn noch alles wollen; auf der anderen Seite ein einfühlsames Abbild kongolesischer Flüchtlinge, für die das nackte Überleben bereits dem Paradies nahe kommt (Davide Cantoni).

Mit Wolfgang Stehle war einer der ausstellenden Künstler anwesend.
Sein Beitrag mit dem Titel „The party is over“ zeigt die abstrahierte Nachahmung einer in der Zerstörung begriffenen Landschaft, und weist auf die Vernichtung des Paradieses hin, in dem wir eigentlich ständig leben: unserer Natur.

Stehles ästhetische Aufarbeitung fragt, ob aus dem resultierenden Chaos noch Positives entstehen kann, und fand großes Echo bei den Anwesenden: Ist Paradies mit harmonischer Gesetzmäßigkeit gleichzusetzen, in der alles parallel und sauber verfugt, ewig und unzerstörbar ist? Oder würde man dadurch in ein Korsett eingespannt, das die Hölle darstellt, während das Paradies nur dort verwirklicht ist, wo spontan und überraschend Neues entstehen kann, wie Prof. Hafner anmerkte?

Der rege Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erfreute auch den Künstler, denn „wenn ein Objekt von Besuchern ganz anders gesehen wird, kann bei mir ein Prozess des Nachdenkens einsetzen.“

Am Ende waren alle Beteiligten nicht nur um Antworten, sondern um Denkanstöße und neue Fragen reicher. „Da schließen sich neue Welten auf“, zog eine Teilnehmerin ihr Fazit.

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