Brauchen Hochschulen religiös geprägte Räume?
Dieser
Frage ging die Junge Akademie im Zusammenwirken mit den evangelischen
und katholischen Hochschulgemeinden in München und dem Erzbischöflichen
Ordinariat nach.
Auf der Tagung, die am 8. Dezember 2009 in den
Räumen der Akademie stattfand, wurde eine Reihe von grundsätzlichen und
praktischen Erwägungen diskutiert, die mit einem solchen, religiös
geprägten, „Raum der Stille“ zusammenhängen.
Besonders die Referate des evangelischen Theologen Prof. Dr.
Gunther Wenz und seines katholischen Kollegen Prof. Dr.
Rainer Bucher waren Ausgangspunkt lebhafter Debatten.
Die
Tagungsteilnehmer, unter anderem Mitglieder katholischer und
evangelischer Hochschulgemeinden von bayerischen und außerbayerischen
Universitäten, aber auch Landtagsabgeordnete und Vertreter bischöflicher
Ordinariate, erörterten die vorgetragenen Gedanken.
Selbst die grundsätzliche Frage, ob eine Hochschule überhaupt einen Raum
zur Religionsausübung brauche, wurde aufgeworfen. Prof. Wenz legte dar,
dass die Universität als Universität weder Pflicht noch Recht habe,
Religionsangebote zu machen oder umgekehrt Religion aus ihrem Bereich
auszuschließen. Diskussionsteilnehmer merkten aber an, dass zwar die
Hochschule weltanschauliche Neutralität zu wahren habe, sie jedoch als
Universität auf den ganzen Menschen ausgerichtet sei und gerade deshalb
die religiöse Dimension nicht ausklammern dürfe.
Wer braucht überhaupt so einen Raum der Stille? Dies war ein weiterer
Kernpunkt der Gespräche. Denn, es dürfe nicht um die Anliegen der
Hochschulen und Kirchen gehen. Letztere besäßen ja bereits solche
Begegnungs- und Andachtsstätten, teilweise sogar ganz in der Nähe der
Universitäten. Vielmehr müsse das Bedürfnis der an den Hochschulen
anwesenden Menschen im Mittelpunkt stehen, stellten einige der
Teilnehmer fest.
Spannend wurde dann noch die Frage, ob ein multireligiöser „Raum der
Stille“ funktionieren könnte. Wie sei der einzurichten, um allen
Bedürfnissen gerecht zu werden – sei dies überhaupt möglich? Denn, so
wurde gefragt: Taugt ein völlig symbolloser Raum als Gebetsraum „für
alle“? Diesem Ansatz hatte Prof. Wenz bereits in seinem Referat
grundlegend widersprochen: „Religionsangebote sind entweder konkret,
also nach Maßgabe der Inhalte spezifischer Religionen und Konfessionen
bestimmt, oder sie sind kontraproduktiv.“
Aber, so wurde ebenfalls klar, man könne Gläubigen anderer
Glaubensgemeinschaften keine fremden religiösen Symbole in solch einem
„multireligiösen Gebetsraum“ zumuten.