Anstößiges aus Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche Anstößiges aus Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche

Pinnwand

18.11.2011
schöne sache
von micha
09.11.2011
Ein dickes "WEITER SO" an die junge Akademie. Viele Grüße, Jo
von Johannes
09.06.2011
Toller Artikel über unser Gespräch in der Jungen Akademie. Das hat mir wirklich Spass gemacht!
Kommt gleich auf unsere Facebook Seite (www.facebook.com/
usconsulatemunich)
von Conrad Tribble
03.05.2011
Liebe Besucher,
hier könnt ihr eine Nachricht, einen Kommentar oder einen Gruß hinterlassen.
Viele Grüße aus der Jungen Akademie!
von Carolin Neuber

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15.12.2010: Zwischen FC Bayern & Uni - Erfahrungen mit Integration & Bildung

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion
Über Fragen der Integration sprachen (v. li.) Adrian Bieniec, Carolin Neuber, Hamit Altintop und Dr. Regina Trüb

Ein ausländischer Student der Luft- und Raumfahrttechnik und Stipendiat einer Stiftung hat zusammen mit anderen Stipendiaten ein Integrationsprojekt initiiert. Im Rahmen einer Präsentation dieses Projektes erzählte er, dass er sich gut als „Integrationslotse“ eigne, weil er selbst ganz gut integriert sei. Er berichtete, dass er deutsche Freunde habe, deutsche Feiertage wie Weihnachten mitfeiere, und zudem den bayerischen Rhythmus in einer Blaskapelle kennen gelernt habe, mit der er auch in Tracht aufgetreten sei. Das habe allerdings zu Irritationen bei den bayerischen Mitwirkenden in der Blaskapelle geführt, die ihn und sich gefragt hätten, wie das denn zusammenpasse, Migrationshintergrund und Tracht.
Dr. Regina Trüb, vom Bundesamt für Migration, referierte diesen kurzen Bericht auf der Veranstaltung der Jungen Akademie zum Thema „Zwischen FC Bayern und Uni. Erfahrungen von Integration und Bildung“ am 15. Dezember 2010. „Ich habe in dieser kurzen Geschichte zwei Dinge bestätigt gefunden: Integration hat erstens viel mit (schwer messbarer) Selbst- und Fremdwahrnehmung zu tun; und zweitens wird es wohl immer Menschen geben, die einem Mitglied, das in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und sich als Teil dieser Mitte fühlt, die Zughörigkeit zu dieser Mitte absprechen. Ich glaube, hierin liegt ein ganz entscheidender Ansatz von Integration und Bildung, der sich nicht auf Zugewanderte und ihre Nachkommen richtet, sondern der das Ziel der interkulturellen Öffnung der Gesellschaft zum Mittelpunkt hat“, erläuterte die Expertin, die im Bundesamt das Referat „Integration" leitet.
 

Teilnehmer der Diskussion mit Hamit Altintop
Eine große Gruppe Stipendiaten von "Talent im Land" war zum Gepsröchsabend gekommen

Leiter im Mittelfeld des FC Bayern München, ist wohl seine Berufsbezeichnung. Hamit Altintop war aber nicht als Fußball-Experte in die Akademie gekommen, sondern als ein in Deutschland geborener, aufgewachsener und lebender Türke, der Chancen und Probleme der Integration hautnah erlebt hat und erlebt. Auch die Widersprüche in denen er steht, wurden klar, denn Hamit Altintop spielt, trotz seines Lebensmittelpunkts in Deutschland, in der türkischen Nationalmannschaft.
Komplettiert wurde das Podium bei dieser Veranstaltung der Jungen Akademie durch Adrian Bieniec, in Polen geboren, nach Deutschland ausgereist. Zwischen 1989 und 2003 pendelte er ständig zwischen Polen und Deutschland, bevor er nach Ende seines Germanistikstudiums nach Augsburg zog, wo er eine Dissertation über Interkulturalität und Migration schreibt. Auch er konnte neben seiner wissenschaftlichen Qualifikation seine persönliche Migrationssituation in die Diskussion einbringen. Sein Problem: ohne deutschen Schul- und Studienabschluss war es schwierig, eine Stelle zu finden, obwohl er akzentfrei deutsch spricht und fehlerfrei schreibt.

Knapp 60 Teilnehmer, die meisten selbst mit Migrationshintergrund, waren an diesem kalten Winterabend in die Akademie gekommen, einmal natürlich, um Hamit Altintop zu erleben, aber auch, um sich mit dem wichtigen Thema Integration zu befassen. Eine 15-köpfige Gruppe junger Menschen brachte Dr. Tobias Haaf mit. Der Oberstudienrat koordiniert „Talent im Land – Bayern“, ein Stipendiatenprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus in Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung. Zielgruppe dieses Programms sind begabte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund, die das Abitur oder Fachabitur anstreben.

Hamit Altintop und Akademiedirektor Dr. Florian Schuller
Hamit Altintop und Akademiedirektor Dr. Florian Schuller

"Wir brauchen ein gemeinsames Ziel, für das wir kämpfen."

Hamit Altintop trat nicht als Star auf, sondern als sympathischer junger Mann. Er sprach bescheiden, zurückhaltend, klug und differenziert. Man merkte, dass er genau beobachtet und wahrnimmt. Und er sprach sehr persönlich, von Erfahrungen in der Mannschaft, aber auch von seiner Mutter, die in der Fabrik arbeitete und sehr bescheiden ihre Kinder aufzog.
In der Diskussion, die sowohl vom Podium als auch von den Teilnehmern mit viel Engagement, Sachkunde und gegenseitiger Sympathie geführt wurde, wurde klar, dass Integration keine Einbahnstraße ist. Nicht nur die Migranten müssten sich integrieren, auch die deutsche Gesellschaft muss aufnahmebereit sein. „Integration darf nicht Assimilation bedeuten“, forderten mehrere Diskussionsbeiträge. Die Herkunft müsse anerkannt werden.
Als Beispiel diente die Berufswelt des Hamit Altintop. Wie eine international zusammengewürfelte Fußballmannschaft braucht die Gesellschaft, wenn sie Erfolg haben will, ein gemeinsames Ziel. Denn dann sei die Herkunft der Einzelnen nicht mehr relevant. Weniger einig war man sich dann allerdings bei der Frage, welches Ziel das sein könnte. Denn, so stellte Adrian Bieniec fest, die Gesellschaft ist nicht mehr die von vor 50 Jahren.
Mangelnde Offenheit der deutschen Gesellschaft wurde an konkreten Beispielen deutlich, die auf der Veranstaltung zur Sprache kamen. So klagten zwei junge Frauen, die in Bayern für das Lehramt studieren, dass sie wegen ihres Kopftuchs keinen Praktikumsplatz an einer bayerischen Schule erhalten würden. Und Adrian Bieniec wusste ein Lied von der „sichtbaren Fremde“ zu singen. Er erzählte von der skurrilen Situation, dass seine Frau, die Deutsche ist, aber dunkle Hautfarbe hat, für eine Ausländerin gehalten wird, während er, der Pole, „optisch“ für deutsch gehalten werde. So könne der äußere Eindruck trügen und habe damit keine Aussagekraft. Und dennoch würden Menschen nach dem Äußeren beurteilt. Wir können fließend Deutsch, wir machen Abitur, wir haben einen Führerschein – was sollen wir noch tun, um anerkannt zu werden?, formulierten einige der jungen Teilnehmer ihre Klage gegen zuwenig Akzeptanzbereitschaft der deutschen Gesellschaft.
Hamit Altintop hielt ebenfalls ein Plädoyer für die Offenheit – von beiden Seiten. Man müsse schon im Kindergarten und in der Schule mit der Einübung dieser Offenheit anfangen. „Man muss sich zusammensetzen, miteinander lernen und dabei entdecken, dass man miteinander auskommt“, sagte der Fußball-Profi.
Vorschläge, wie man diese geforderte Offenheit konkret umsetzen könnte, kamen vom Podium und aus dem Publikum: Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Deutsch und die Muttersprache gleich stark fördern, waren zwei mehrmals genannt Wünsche.
Und Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde auch in die Pflicht genommen. Ein Teilnehmer bemerkte, dass die Bundeskanzlerin die nicht deutsch stämmigen Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft für ihre Leistungen, die sie während der WM für Deutschland erbrachten, gelobt habe. Aber sie lobe niemals den Fabrikarbeiter oder Spargelstecher, der jeden Tag Leistung erbringe.
Ein versöhnliches Bild zeichnete Tobias Haaf, als er über die seine Stipendiaten sprach: „Für die jungen Leute in der Schule spielt es keine Rolle, ob sie Deutsche sind, sie sehen ihre Schätze und wollen sie heben.“
Carolin Neuber

Interessante Internetauftritte:

http://www.bildungspakt-bayern.de/projekte/talent-im-land-bayern/

www.bamf.de

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